Archiv für Juli 2007

rosty

Juli 29, 2007

warum bist du eigentlich nach island gekommen? oder: haben sich deine vorstellungen von island erfülllt? hast du einen isländischen freund? oder: reitest du?
das sind die fragen, die den täglichen small talk mit den einheimischen begeleiten. aber eigentlich hab ich mit all dem gar nichts zu tun. ich habe mir vor meiner abreise eigentlich keine großen gedanken über das land gemacht. natürlich kannte ich die einschlägigen bands und hab von dem nachtleben in reykjavik gehört, aber mehr hatte mich auch nicht interessiert. die isländer schauen mich komisch an, wenn ich sowas sage. kommen die ausländer nicht wegen der natur und der pferde hierher?

nach und nach baut sich nun mein bild von dem land auf und so kann ich den zurückgebliebenen einen eindruck davon geben. natürlich wird das land von der natur bestimmt. bekommt man irgendein buch über island in die hand, werden dort ausführlich geohistorische sachverhalte beschrieben. ganz im gegensatz zu einem buch über deutschland, in dem es wohl eher um burgen und schlösser gehen wird. gleichzeitig aber ist man hier stolz, dass älteste parlamant der welt zu haben. tja es gab nun mal keine könige und prinzessinen in diesem land, da musste man es irgendwie anders regieren.

zurück zur natur: die größe der insel beträgt etwa ein drittel deutschlands und somit ist sie nicht besonders klein und man trifft auf unterschiedlichste landschaften. lavafelder findet man allerdings überall. je nach lage mit unterschiedlicher vegetation drum herum.
ach was sag ich vegetation: island ist eigentlich ein waldloses land. man sagt der grösste wald islands befindet sich in der hauptstadt. und tatsächlich ist reykjavik total grün, vergleicht man es mit der kargen natur da draussen vor den toren der stadt. die birke, ein sehr wiederstandsfähiger baum wächst hier in strauchform, so dass man sie kaum erkennen kann. wilde sträucher, verkrüppelt entlang der berge sind es wohl eher. der erste witz, den hier wohl jeder ausländer hört ist: was macht man, wenn man sich auf island im wald verläuft? ….. man steht auf! HI HI HI HI…
die fehlenden bäume sind sehr wichtig, um ein bild von island zu erhalten. ohne die bäume fällt es schwer distanzen zu schätzen. ohne bäume hat man keinerlei schutz vor dem starken wind, der durch die insel bläst. und dieser wind, den zu beschreiben mir schwer fällt, dieser wind ist ein zweiter starker punkt, um ein bild von island zu bekommen. diesen wind sieht man nie auf bildern. und so kann das image von island ohne einen besuch des landes nie vollständig sein.
der dritte, und für heute letzte punkt für das persönliche bild des landes, ist der verfall. das rauhe klima im hohen norden fordert tribut. ich habe noch kein fahrrad ohne rostige stellen gesehen. die metalldächer müssen wohl beinahe jedes jahr gestrichen werden. und die autos? es fahren fast ausschliesslich nagelneue autos durch die strassen. so kann man hier nur wenige spuren der rotbraunen macht erkennen.

tonne-eins.jpg

der rost gestaltet die durch den menschen geschaffene umgebung. so entsteht LANDART ganz ohne das zutun eines künstlers. wenn mich nun jemand fragen würde, was mir an island gefällt, würde ich sagen: die kunst in der landschaft.

library of water

Juli 3, 2007

nun noch ein kleines leckerli – roni horns library of water –

library of water

mehr zu architektur, kunst, design und kultur folgt…

die industrialisierung der insel

Juli 3, 2007

nun endlich ein zweiter eintrag in den blog, der viel zu lang brach lag. seit tagen geht die sonne nicht unter und scheint mir ins gesicht. den rest des körpers muss ich aber noch immer meist verdecken, um den wind zu wiederstehen. der kalte luft von norden bringt. so beweg ich mich nun durch die stadt immer an der küste entlang und finde kaum zeit zur kontaktaufnahme mit der weiten welt und berlin.
so mag es auch den meisten isländern gehen, die – so stolz auf ihr land- nicht nach rechts oder links schauen mögen.
der starke boom im land bringt eine aufbruchstimmung die einen an die industrialisierung in europa erinnern könnte, hätte man sie miterlebt. überall wir gebaut – hotels, büros, wohngebäude- aber eben auch industriegebäude. dies beschränkt sich im moment auf energiekraftwerke mit dem zubehör und aluminiumverarbeitende betriebe. ein riesiges aluminiumwerk befindet sich gearde im bau. obwohl es bereits zwei grüne parteien gibt, kann das land sich nicht gegen die grosse macht des geldes wären. so haben sich freie gruppen gebildet, um die natur vor den menschlichen ideen zu schützen. eine davon ist – saving iceland.is – , die ein camp organisiert haben, um die kämpfer der ganzen welt gegen das aluminiumwerk zu vereinen.
um das camp zu finanzieren gab es gestern ein konzert im nasa. soweit ich das überblicken kann DIE konzertlocation in der stadt. neben etwa 10 anderen bands stand mum als headliner auf dem programm. also ging das konzert nicht an mir vorbei. an dieser stelle folgt also die weiterführung meiner recherche zur tanzkultur islands. und ich muss mich sofort selbst berichtigen. nach einem etwas lauen beginn mit schülerbands kam eine ? tja ? metalband? vielleicht- auf die bühne, dessen frontmann es wirklich geschafft hat, die nahezu schlafenden konzertgänger wach zu rütteln und in die erste reihe vor die bühne zu jagen. es wurde wild getanzt- man kann es kaum glauben. von da an haben sich nur noch wenige leute wieder gesetzt. die stimmung war zum kochen. tja politische aktionen entwickeln schon eine ganz besondere kraft- oder? grandios! aber ich hätte nie gedacht, dass ich mal wieder zwischen das rasterbehaarte, pogende volk gerate. schön wars! und so ging wieder eine nacht mit wenig schlaf vorbei.